[ Programm 2001 ] [ Plan ] [ Suchen ] [ Hintergründe ] [ Links ] [ 2000 ] [ 1999 ] [ 1998 ] [ 1997 ] [ 1996 ] [ Mai l]

Bilder Vergrössern

24. August bis 22. September 2001

Anita Kuratle Dorothea Trapp
Stills

Vernissage: Freitag, 24. August 2001, 19 Uhr
Kunstraumgespräch: Donnerstag, 13. September, 19 Uhr.
mit Martin Heldstab

Do + Fr 16 bis 19 Uhr, Sa 13 bis 16 Uhr.
oder nach Vereinbarung, Tel 062 844 46 16

Biografie Dorothea Trapp

Speziell auf den Ausstellungsort Kunstraum Aarau zugeschnitten, haben die beiden in Basel arbeitenden Künstlerinnen Dorothea Trapp und Anita Kuratle eine gemeinsame Installation unter dem Titel Stills - Standbilder - konzipiert.
Betritt der Besucher den Ausstellungsraum, so trifft er auf eine eigentümlich schräg im Raum stehenden wandartige Holzkonstruktion, in die zwei grosse Fensteröffnungen eingelassen sind, die mit Diffusionsfolien bespannt sind. Auf diesen beiden "Fensterscheiben", sieht der Betrachter den hinter der Holzkonstruktion liegenden Ausstellungsraum und glaubt im ersten Moment, dass die beiden Fensterfolien auch tatsächlich transparent seien.
Wird nun der Standort verändert, so irritiert es den Betrachter, dass der auf der Folie sichtbare Raumausschnitt immer derselbe bleibt. Es kommen Zweifel auf, ob nun der abgebildete Raum tatsächlich mit dem realen hinter der Konstruktion liegenden Raum übereinstimmt. Die Künstlerin Anita Kuratle spielt mit dieser Irritation der Wahrnehmung. Die beiden grossen Fensteröffnungen in der Holzkonstruktion sind nicht transparent und der Betrachter blickt auch nicht durch die Fenster in den realen Raum, sondern sieht zwei von hinten auf die Folie projizierten Photographien des Ausstellungsraumes, die kurz vor der Eröffnung der Ausstellung aufgenommenen worden sind. Die Photograpien als Dia projiziert zeigen den Raum, als ob man durch die beiden Fenster hindurchsehen könnte. Durch die Positionierung des Dias vor den realen Raum entsteht eine Staffelung oder Verdoppelung der Raumansicht.
Die Irritation geht weiter. Wie zufällig abgestellt, lehnt ein Fahrrad an einem Sockel. Betrachtet man es genauer, so fällt auf, dass nur die wichtigsten Elemente des Fahrrrads dargestellt sind. Unbeweglich, aus Stahl gearbeitet und ohne Pedale wird es zum Objekt, das durch das Surren und Rattern der Dia- und Filmprojektoren im Raum zum Leben erweckt wird.
Die Künstlerin Dorothea Trapp hat im Kunstraum Aarau nicht die für sie so typischen Gemälde von Mädchenportraits im Raum verteilt, sondern lässt vier Portraits mittels eines Filmprojektors an die Wand projizieren. Der Film, der die vor dem rosafarbenen Hintergrund gehaltenen Mädchen zeigt, ist jedoch nicht ein Film-Still, ein Standbild, sondern der auf der Wand ablaufende Film veranschaulicht die malerische Fertigstellung der Gesichter der unsicher posierenden Mädchen. Dorothea Trapp lässt die Mädchen durch die "malende Kamera" reifen und an Kontur gewinnen.
Schon seit längerer Zeit gilt Dorothea Trapps Interesse pubertierenden Mädchen. Mädchen oder junge Frauen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind und zwischen Kind und dem Frausein pendeln.
Beide Künstlerinnen beschäftigen sich auf ihre Weise mit dem Thema Wahrnehmung. Wahrnehmung von genau beobachteten Alltagssituationen, Räumen, Gegenständen oder auch Emotionen und Posen.
So bei den Arbeiten von Dorothea Trapp, bei denen es um die Wahrnehmung der "Innenwelt", des eigenen Ichs, im Reifeprozess vom pubertierenden Mädchen zur Erwachsenen Frau geht. Mädchen die beeinflusst durch Mode und Werbung nach körperlichen Idealen streben und in noch unschuldigen Phantasiewelten leben.
Bei Anita Kuratles Installation hingegen geht es um die Wahrnehmung der "Aussenwelt", der Realität, die durch die zeitliche Verschiebung zum trügerischen Schein, zur Illusion wird.
Nuria Barcelo