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[ Biografie ]

Christoph Storz

Gerücht mit geschützten Titeln

2. März bis 31. März
Eröffnung: Freitag, 2. März, 19.00 Uhr
KUNSTRAUM-Gespräch:
Donnerstag, 22. März, 19 Uhr,

Linda Fieramosca:
Sie sagten soeben, je näher der Ausstellungstermin rücke, desto weniger verstünden Sie selbst, worum es in der Arbeit ginge - und, dass Sie am Schluss vermutlich nicht einmal mehr den eigenen Namen wüssten. Handelt es sich hier um die Forderung nach einer nichtintenzionalen Kunst, wie wir sie von John Cage kennen?

Christoph Storz:
Nun, jedenfalls war ich immer mit Maximen unterwegs, die als Business plan zur Herstellung von Kunstartikeln nicht gerade tauglich sind. Ich glaube, das Wu Wei-Sätzchen: "Tue (etwas) so, als ob du nicht tätest und tue so nicht, als ob du tätest!" passt da auch nicht so gut in die heutige Landschaft, bzw. hat bei mir selber auch Verwirrung gestiftet.

L.F.:
Bei Ihren Zeichnungen hat man ja tatsächlich manchmal das Gefühl, als trauten Sie sich nicht so recht.

Karpar King:
Nein, nein, ich hatte immer ein Problem mit der polternden Hierkommich -Haltung in der Kunst -deshalb hat mich auch die Malerei nie so interessiert- ich empfand "sich anpreisen" als unfein. Ausserdem dachte ich , wenn ich mich ins Haus hinein stehle,könne ich von den Entscheidungsträgern der Rezeption weniger leicht eingemeindet werden. Das war ein Irrtum. Kunst ist heute "sekundär" und revisionistisch, kein schlechter Ausgangspunkt. Sie muss mit kreativ originären Begriffschöpfungen aus anderen Kulturbereichen operieren, um überhaupt funktionieren zu können.
Der Produktbegriff verwendet für die Gesamtheit von Kunst und Künstler/in scheint alle ehemals innerkünstlerischen Streitpunkte darüber, was ein Werk denn so sei, gelöst zu haben.Wie ich den Anspruch auf Autonomie doch herüberbringen kann, zeigt wiederum die Wirtschaft vor: ich ersetze das Produkt durch ein anderes, das heisst aber auch label und Namen ändern. Jedenfalls finde ich es ganz wichtig, dass die KünstlerInnen sich die Bestimmungsgewalt darüber, was ihr Produkt ist, bewahren.

L.F.:
Hm,Hm. um wieder zur Ausstellung zurückzukommen, es scheint, dass Zeichnungen überhaupt nicht mehr vorkommen. Es scheint auch, dass Sie jetzt nur noch "anpreisen". Doch was eigentlich?

C.S.:
Zuerst mal ist mir die Gewichtung der Zuordnungen schon eher unklar geworden, vielleicht ist ja der Sinn des Anlasses der, dass ich Einladungskarten verschicken kann. Vielleicht ist ja, was sich bei ihrem Empfang , auf dem Weg vom Briefkasten zum Papierkorb abspielt, das eigentlich Entscheidende. Jedenfalls ist so etwas Handfestes wie die Einladungskarte selbst für mich eine Art Realität, von der ich mir Näheres über meine Ausstellung zu erfahren erhoffe. So wie ich mir auch eigentlich aus Ihren Fragen meine Antworten herauszuklauben suche.Dann kann auch die Titelgebung des Anlasses eine schier unerschöpfliche Eigendynamik erhalten. Im Zeitalter von Werbung und Börse haben ja Ankündigungen eine ganz andere Dimension bekommen.

Günz,Riss,Würm und Partner:
Der Vorwurf an die Ideologien war ja nicht, dass sie falsche Weltbilder in die Welt setzten, sondern dass sie verlangten, dass man an diese auch noch glaubte. Da hat die Werbung, die jenen nach 1989 das Monopol für Zukunftsentwürfe abgenommen hat, ein viel unverkrampfteres Verhältnis zum Wahrheitsbeweis. Er findet nicht in der Erfüllung ihrer Versprechen, sondern durch die Akzeptanz des beworbenen Gegenstands statt. Der beworbene Gegenstand der Plakate zur und in der Ausstellung sind sie selbst.

L.F.:
Die Texte der Plakate haben oft etwas Altkluges, Kauziges oder Zynisches, das, würde man eine reifere Persönlichkeit dahinter vermuten, einen eher unangenehm berühren müsste. Lustig ist das nicht.

K. K.:
Kynisch ist nicht zynisch. Ich glaube, man kann sich seine Zeit nicht aussuchen. Unsere ist manieriert und manieristisch. Das merkt man immer gerade dort,wo sie behauptet, es nicht zu sein.

G.,R.,W. und Partner:
Es getraut sich ja heute kein Künstler, keine Künstlerin mehr an die äussere Grenze der Kunst,wo sie zum Warenwert wird.Da kneift jede/r. Die Umkehrung des "Ready made"- Begriffs ist immer noch unmöglich. Wir sind aber überzeugt, dass eine nicht illustrative Fokusierung der Kunst auf die Märkte und das Geld kommen muss. Die sicher wichtige Hinwendung zu sozialen Praktiken und Rollenfeldern in der Kunst bestätigt die Exklusivität der art crowd und die Geschlossenheit des Kunstsystems oder läuft Gefahr, zur harmloseren Wellness-Variante von Eventkultur à la Bungee Canyoning zu werden. Für den Produktbegriff spielt es ja keine Rolle, ob es um Dienstleistungen oder um materielle Objekte geht, solang nur die Performance stimmt.

L.F.: Uff!

C.S.:
Ich wollte nur noch sagen, dass die Wand aus meinem Atelier, die im Kunstraum vorkommen wird,beide befinden sich im Kiff-Gebäude und ich wurde angehalten, das zu erwähnen, sowieso herausgenommen wird, weil der Raum isoliert werden muss, und dass die Plakate entstanden, weil ich erstmals die Gelegenheit hatte, mit einem Komputer zu arbeiten. Was die Drucktechnik angeht, bin ich jetzt etwa bei Gutenberg.